Erinnerungsort Bern

Das nationalsozialistische Deutsche Reich (1933-1945) ermordete sechs Millionen Jüdinnen und Juden und beging weitere Massenverbrechen, denen Hunderttausende von Menschen zum Opfer fielen. Die neutrale Schweiz war mit der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik seines Nachbarstaates konfrontiert und stand vor schwierigen Entscheidungen – insbesondere in der Flüchtlingspolitik und im Umgang mit der deutschen Raubwirtschaft. Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus realisiert der Bund in Zusammenarbeit mit der Stadt Bern und zivilgesellschaftlichen Initiantinnen und Initianten einen Erinnerungsort in der Hauptstadt. Er stellt die damaligen Handlungsspielräume und die Verantwortung von Politik und Gesellschaft ins Zentrum. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit schärft das Bewusstsein für Demokratie, Menschenrechte und Zivilcourage.

Erinnerung: Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart

Die Verbrechen des nationalsozialistischen deutschen Regimes liegen mehr als 80 Jahre zurück, wirken jedoch bis heute nach. Opfer des systematischen Massenmords wurden Jüdinnen und Juden, Roma, Romnja, Sinti, Sintizze und Jenische sowie Menschen mit Behinderung. Politische Oppositionelle wurden verfolgt und ermordet. Alle Menschen, die die Nationalsozialisten als fremd, minderwertig oder gefährlich definierten, waren an Leib und Leben gefährdet. Viele Verfolgte gehörten Minderheiten an, gegenüber denen nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Staaten Vorurteile bestanden.

Die neutrale Schweiz musste Stellung beziehen: Ausländische Flüchtlinge suchten im vom Krieg verschonten Land Schutz und versuchten, aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich, dem besetzten Frankreich und dem faschistischen Italien über die Grenze zu gelangen. Bedrohte Auslandschweizerinnen und -schweizer baten die Behörden in der Schweiz um Hilfe. Generell galten die Flüchtlinge in der Schweiz als unerwünscht, doch gab es trotz dieser ablehnenden Politik zahlreiche Menschen, die mutig und selbstlos Hilfe leisteten.

Um staatliche Massenverbrechen in Zukunft zu verhindern, wurden nach 1945 die Menschrechte und der völkerrechtliche Schutz von Minderheiten international gestärkt – Rechte, die keineswegs selbstverständlich sind und immer wieder missachtet werden.

Das Projekt

Die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen ist bedeutsam für unsere Gegenwart und Zukunft. Mittels Kunst und Information soll der Erinnerungsort dazu anregen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Als lebendiger Ort des Gedenkens schafft er Raum für Dialog und Reflexion und stärkt das Bewusstsein für Zivilcourage, Solidarität, Menschenrechte und Demokratie.

Der Bundesrat beauftragte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten 2023 mit der Errichtung des Erinnerungsortes und stellte dafür 2.5 Millionen Franken zur Verfügung. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hat in Zusammenarbeit mit der Standortgemeinde Bern und den zivilgesellschaftlichen Initiantinnen und Initianten die Grundlagen erarbeitet und einen internationalen Wettbewerb zur Umsetzung des Erinnerungsortes lanciert. Die Wettbewerbsjury wird von Madeleine Schuppli präsidiert.

Der Erinnerungsort wird auf der Terrasse über dem Casino-Parking realisiert. Der belebte Platz liegt im Herzen der Hauptstadt Bern in unmittelbarer Nähe des Bundeshauses. Die Standortwahl bringt die historische Verantwortung von Politik und Gesellschaft zum Ausdruck.

Karte Bern map.bern .ch

Aktueller Stand (Mai 2026)

Das Wettbewerbsprogramm wurde im Juli 2025 auf simap, der Beschaffungsplattform des Bundes, publiziert. Im Rahmen der Präqualifikation bewarben sich 55 interdisziplinär besetzte Teams. 11 Teams erhielten von der Jury Ende 2025 den Auftrag, ein Projekt auszuarbeiten. Die Jurierung der ausgearbeiteten Projekte ist für Sommer 2026 geplant.

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